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Ratgeber

Ängstliches Tier beim Tierarzt: ruhig durch den Termin

5 Min. Lesezeit

Ein Tier, das sich in der Praxis klein macht, knurrt oder sich nicht anfassen lässt, benimmt sich nicht daneben. Es reagiert auf eine Situation, die es nicht einordnen kann: fremde Gerüche, ein glatter Tisch, andere Tiere, Hände, die festhalten. Ganz auflösen lässt sich diese Angst selten. Vorbereiten lässt sie sich schon.

Eine Ausnahme vorweg, bevor es ums Üben geht. Bei Verdacht auf Vergiftung, bei einem aufgeblähten harten Bauch mit erfolglosem Würgen, bei Atemnot, Hitzschlag, stockender Geburt, einer Augenverletzung oder einem Kater, der immer wieder vergeblich Urin absetzen will, zählt nur Tempo: Kontaktieren Sie sofort eine Praxis oder den Bereitschaftsdienst. Der Rest dieses Textes ist für Tage gedacht, an denen Zeit ist.

Angst beginnt übrigens lange vor dem Knurren. Ein Hund hechelt, obwohl es weder warm ist noch anstrengend war, wendet den Blick ab, gähnt, leckt sich über die Nase oder erstarrt plötzlich. Eine Katze kauert sich zusammen, die Pupillen weit, die Ohren angelegt, und presst sich in die hinterste Ecke der Box. Viele Tiere verweigern in solchen Momenten auch Leckerlis, die sie sonst nie liegen lassen. Ein stilles Tier ist also nicht automatisch ein entspanntes Tier. Wer die leisen Zeichen kennt, kann reagieren, solange das Tier noch ansprechbar ist.

Wochen vorher anfangen, nicht am Morgen des Termins

Die meisten Katzen kennen die Transportbox nur als Vorstufe zu etwas Unangenehmem. Das lässt sich umdrehen, aber in Wochen, nicht in Stunden. Lassen Sie die Box dauerhaft offen in der Wohnung stehen, mit einer vertrauten Decke darin, statt sie erst am Morgen des Termins aus dem Keller zu holen. Legen Sie Futter oder ein Spielzeug hinein und lassen Sie die Tür offen; die Katze entscheidet, wann sie hineingeht. Praktisch ist ein Modell, dessen Oberteil sich abnehmen lässt, denn dann kann die Katze für einen Teil der Untersuchung einfach in der unteren Hälfte sitzen bleiben. Später kommen kurze Autofahrten dazu, die eben nicht in der Praxis enden. Am Termintag legen Sie ein Handtuch über die Box und tragen sie ruhig mit beiden Händen.

Bei Hunden lohnt sich etwas anderes: Berührungen üben. Pfoten, Ohren und Maul kurz anfassen, danach etwas Angenehmes folgen lassen; zehn Sekunden am Tag genügen. Wenn die Praxis es anbietet, gehen Sie einmal ohne Behandlung vorbei: hinein, auf die Waage, Leckerli, wieder hinaus. Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel reisen am besten im gewohnten Behälter mit vertrautem Einstreu; ob das Partnertier mitkommen darf, klären Sie vorher.

Was Sie beim Buchen sagen und was in die Tasche gehört

Sagen Sie es bei der Terminbuchung, nicht erst im Wartezimmer; ein vorbereitetes Team plant anders. Erwähnen Sie:

  • dass Ihr Tier ängstlich ist und was beim letzten Mal passiert ist, auch wenn es gebissen oder gekratzt hat. Das ist keine Schande, sondern Information;
  • ob eine ruhige Tageszeit möglich ist, etwa der erste Termin am Morgen, ob Katzen und Hunde getrennt warten und ob Sie draußen warten dürfen, bis Sie aufgerufen werden;
  • was Sie beobachtet haben, seit wann, und ob Ihr Tier vorher fressen soll;
  • in welcher Sprache Sie sprechen möchten. Viele Praxen in Luxemburg arbeiten auf Lëtzebuergesch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch oder Englisch, und ein Gespräch, dem Sie mühelos folgen, senkt Ihre eigene Anspannung. Tiere lesen diese Anspannung mit;
  • ob Ihr Hund unter das Gesetz vom 9. Mai 2008 fällt. Gelistet sind Staffordshire Bullterrier, Mastiff, American Staffordshire Terrier und Tosa sowie Hunde ohne anerkannte Abstammungsurkunde, die diesen Rassen morphologisch vergleichbar sind.

In die Tasche gehört außerdem der EU-Heimtierausweis, den die Tierärztin oder der Tierarzt ausstellt; er hält Chipnummer und Tollwutimpfung fest.

Warum Zwang beim nächsten Mal teuer wird

Tiere lernen aus einzelnen, intensiven Erfahrungen erstaunlich schnell. Wird eine Katze aus der Box gekippt oder ein Hund über den Boden zur Tür gezogen, bleibt das nicht bei diesem einen Moment, sondern prägt die Erwartung für den nächsten Besuch. Aus Vorsicht wird Panik, aus Panik Abwehr, und der übernächste Termin beginnt auf einem schlechteren Niveau als der heutige.

Wenn Ihr Tier zumacht, sagen Sie das laut. Eine Pause, eine Untersuchung auf dem Boden statt auf dem Tisch oder ein zweiter Anlauf an einem anderen Tag ist keine gescheiterte Konsultation, sondern eine Investition in alle folgenden. Was medizinisch nicht warten kann und ob sich künftige Termine anders vorbereiten lassen, kann Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt einschätzen. Halten Sie Ihr Tier auch nicht selbst mit Kraft fest, wenn das Team einen anderen Weg vorschlägt; Ihre wirksamste Rolle ist meist die der vertrauten Stimme am Kopfende.

Wenn keine Zeit zum Üben bleibt

Notfälle halten sich nicht an Trainingspläne. Außerhalb der Sprechzeiten gibt es in Luxemburg einen Bereitschaftsdienst für Kleintiere, der von 08:00 Uhr bis 08:00 Uhr am nächsten Morgen läuft. Welche Praxis Dienst hat, veröffentlichen das Collège Vétérinaire, die LAK unter „GARDE“ und die AMVL; die allgemeine Notrufnummer ist 112. Rufen Sie an, bevor Sie losfahren, damit das Team weiß, was auf es zukommt. Und alles, was Sie in ruhigen Wochen geübt haben, die offene Box, das Anfassen, die kurze Autofahrt, hilft Ihnen an genau so einem Tag.

Häufige Fragen

Meine Katze geht nur in die Transportbox, wenn ich sie hineindrücke. Was hilft?

Die Box dauerhaft offen in der Wohnung stehen lassen, eine vertraute Decke hineinlegen und darin füttern, ohne die Tür zu schließen. Das braucht Wochen, nicht Stunden. Ist der Termin dringend, sagen Sie beim Buchen, dass das Verladen schwierig ist; das Team kann dann mehr Zeit einplanen.

Soll ich der Praxis sagen, dass mein Hund schon einmal geschnappt hat?

Ja. Mit dieser Information plant das Team Zeit, Umgebung und Ablauf anders. Verschwiegene Vorfälle führen eher zu Situationen, die für alle Beteiligten unangenehm werden, den Hund eingeschlossen.

Kann die Praxis etwas tun, damit mein Tier ruhiger durch den Termin kommt?

Sprechen Sie es in der Konsultation an. Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt kann einschätzen, was in Ihrem Fall möglich ist und wie sich künftige Termine anders vorbereiten lassen. Diese Entscheidung fällt in der Praxis, nicht zu Hause auf eigene Faust.

Wen erreiche ich nachts oder am Wochenende?

Die diensthabenden Praxen leisten einen 24-Stunden-Dienst, der um 08:00 Uhr beginnt und um 08:00 Uhr am nächsten Morgen endet. Um den diensthabenden Tierarzt zu erreichen, können Sie die 112 anrufen oder Post Infotel unter 26 77 12 34; die Bereitschaftsliste veröffentlichen das Collège Vétérinaire und amvl.lu unter GARDES. Unsere eigene Notfallseite listet die diensthabenden Praxen mit ihren Rufnummern. Rufen Sie an, bevor Sie losfahren: der diensthabende Tierarzt ist womöglich nicht in der Praxis und muss selbst erst hinfahren.