Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Befunden bei erwachsenen Hunden und Katzen, und zugleich zu denen, die am längsten unbemerkt bleiben. Der größte Teil eines Zahns liegt unter dem Zahnfleisch, und was sich dort verändert, verändert sich über Jahre. Dazu kommt, dass Tiere erstaunlich lange weitermachen wie bisher: Eine Katze mit schmerzhaftem Maul frisst meist weiter, ein Hund mit einem kranken Zahn begrüßt Sie nach wie vor an der Tür.
Weil der dramatische Moment fehlt, werden frühe Anzeichen gern dem Alter zugeschrieben. Er ist eben ruhiger geworden, sie war schon immer wählerisch. Hinter solchen Sätzen steckt oft ein Maul, das seit Langem wehtut.
Wann es nicht bis zum nächsten Termin warten kann
Das meiste rund um die Zähne hat Zeit bis zum regulären Termin. Einiges nicht.
Kontaktieren Sie sofort eine Praxis oder den Notdienst, wenn Ihr Tier gar nicht mehr frisst und trinkt oder plötzlich nicht mehr schlucken will, und ebenso bei:
- einer Schwellung im Gesicht, unter einem Auge oder am Unterkiefer, die binnen ein bis zwei Tagen entstanden ist
- Blutungen aus dem Maul, die nicht aufhören
- einer Verletzung des Kiefers nach einem Sturz oder Unfall
- einem abgebrochenen Zahn, in dessen Mitte es rosa oder dunkel aussieht
- Würgen, Atemnot oder heftigem Kratzen am Maul, nachdem etwas gekaut wurde
- jedem Verdacht, dass etwas Giftiges gekaut oder verschluckt wurde
In Luxemburg läuft der Notdienst für Kleintiere von 08:00 Uhr bis 08:00 Uhr am nächsten Morgen; die Bereitschaftslisten veröffentlichen der Collège Vétérinaire, die LAK unter „GARDE“ und die AMVL. Die allgemeine Notrufnummer ist die 112.
Beobachten und putzen: was zu Hause geht
Für alles andere gilt: Sie müssen keine Diagnose stellen, Sie müssen nur merken, dass sich etwas verändert hat. Achten Sie im Alltag auf:
- Maulgeruch, der anders geworden ist oder dauerhaft unangenehm bleibt
- Kauen auf einer Seite, herausfallendes Futter, Zögern vor hartem Futter trotz Hunger
- vermehrten, manchmal blutig getönten Speichel
- einen roten Saum am Zahnfleischrand, bräunliche Beläge auf den hinteren Zähnen
- bei Katzen auch weniger Fellpflege und ein struppig werdendes Fell
Nichts davon sagt Ihnen, was los ist; es sagt nur, dass das Maul angeschaut werden sollte.
Vorbeugen können Sie trotzdem, am wirksamsten mit der Zahnbürste. Putzen wirkt auf den weichen Belag, der sich jeden Tag neu bildet, bevor er aushärtet. Ist der Belag einmal fest mit dem Zahn verbunden, bekommen Sie ihn zu Hause nicht mehr weg; das übernimmt dann die Praxis. Wichtiger als die Technik ist die Gewohnheit: eine Minute jeden Tag bringt mehr als zehn Minuten am Sonntag. Beginnen Sie damit, nur die Schnauze zu berühren und die Lefze kurz anzuheben, verbinden Sie das mit etwas Angenehmem, und hören Sie auf, solange es noch gut läuft. Nach ein paar Tagen kommt eine Fingerbürste oder eine weiche Bürste dazu, zunächst nur an den Außenflächen entlang; die Innenseiten sind im Alltag deutlich weniger wichtig. Verwenden Sie ausschließlich Produkte, die für Tiere gedacht sind, und fragen Sie in Ihrer Praxis nach, was zu Ihrem Tier passt.
Kauartikel und Zusätze gibt es reichlich, ihr Nutzen fällt sehr unterschiedlich aus. Auch hier lohnt die Nachfrage in der Praxis, schon weil sehr harte Gegenstände eine häufige Ursache für abgebrochene Zähne sind. Häusliche Pflege ergänzt die tierärztliche Versorgung, sie ersetzt sie nicht.
Wie die Untersuchung in der Praxis abläuft
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Am wachen Tier lassen sich die Außenflächen von Zähnen und Zahnfleisch beurteilen. Das genügt, um Auffälliges zu erkennen und zu entscheiden, ob mehr nötig ist; für ein vollständiges Bild reicht es nicht. Die gründliche Beurteilung erfolgt in Narkose, denn das Sondieren jedes einzelnen Zahns, die Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands und Röntgenaufnahmen der Zähne sind am wachen Tier nicht möglich. Vorher prüft die Praxis den Allgemeinzustand, häufig mit einer Blutuntersuchung, und bespricht Nutzen und Risiken mit Ihnen.
Während des Eingriffs wird jeder Zahn einzeln beurteilt, der Befund kommt in ein Zahnschema, und Röntgenbilder zeigen, was unterhalb des Zahnfleischrands verborgen bleibt. Beläge werden mit Ultraschall entfernt, anschließend werden die Flächen poliert. Manche Zähne erweisen sich dabei als nicht erhaltungswürdig. Praxen bitten deshalb darum, telefonisch erreichbar zu bleiben, weil diese Entscheidung oft fällt, während Ihr Tier schläft. In der Regel holen Sie es am selben Tag wieder ab, zusammen mit den dokumentierten Befunden und einem Plan für das weitere Vorgehen.
Formalitäten, die Sie beim selben Termin klären können
Die Praxen im Land arbeiten mehrsprachig; sagen Sie bei der Terminvereinbarung einfach, ob Ihnen Luxemburgisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch oder Englisch lieber ist. Bringen Sie den EU-Heimtierausweis mit: Er wird von der Tierärztin oder dem Tierarzt ausgestellt und hält die Chipnummer und die Tollwutimpfung fest, die in Luxemburg ab der zwölften Lebenswoche vorgeschrieben ist. Wer öfter in die Großregion fährt, sollte den Ausweis ohnehin aktuell halten.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich die Zähne putzen?
Am besten täglich, denn der weiche Belag bildet sich jeden Tag neu. Eine kurze Einheit jeden Abend bringt mehr als eine lange einmal pro Woche. Ihre Praxis zeigt Ihnen die Technik und nennt passende Produkte.
Meine Katze frisst normal. Kann das Maul trotzdem ein Problem sein?
Ja. Fressen ist ein schlechter Indikator, denn Katzen fressen meist auch mit schmerzhaftem Maul weiter. Aussagekräftiger ist das Wie: Kauen auf einer Seite, Fallenlassen von Futter, plötzliche Vorliebe für Weiches.
Warum braucht die vollständige Zahnuntersuchung eine Narkose?
Weil das Sondieren jedes Zahns, die Reinigung unter dem Zahnfleischrand und Röntgenaufnahmen der Zähne am wachen Tier nicht möglich sind. Ihre Praxis erklärt Ihnen die Voruntersuchungen und die Risiken im konkreten Fall.
Ist Maulgeruch bei Hund und Katze normal?
Dauerhaft unangenehmer Maulgeruch ist häufig, aber nicht normal, und oft das Erste, was Halterinnen und Halter bemerken. Sprechen Sie ihn beim nächsten Termin an, statt auf deutlichere Zeichen zu warten.
Wen erreiche ich nachts oder am Wochenende?
Die diensthabenden Praxen leisten einen 24-Stunden-Dienst, der um 08:00 Uhr beginnt und um 08:00 Uhr am nächsten Morgen endet. Um den diensthabenden Tierarzt zu erreichen, können Sie die 112 anrufen oder Post Infotel unter 26 77 12 34; die Bereitschaftsliste veröffentlichen das Collège Vétérinaire und amvl.lu unter GARDES. Unsere eigene Notfallseite listet die diensthabenden Praxen mit ihren Rufnummern. Rufen Sie an, bevor Sie losfahren: der diensthabende Tierarzt ist womöglich nicht in der Praxis und muss selbst erst hinfahren.
