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Ratgeber

Vergiftungen bei Hund und Katze: was sofort zu tun ist

5 Min. Lesezeit

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund oder Ihre Katze etwas Giftiges erwischt hat, rufen Sie sofort in einer Tierarztpraxis an. Warten Sie nicht ab, ob Symptome auftreten: Bei vielen Stoffen zählt das nützliche Zeitfenster in Minuten und Stunden, nicht in Tagen. Außerhalb der Öffnungszeiten läuft der Notdienst für Kleintiere in Luxemburg von 08:00 Uhr bis 08:00 Uhr am nächsten Morgen, die Bereitschaftsliste veröffentlicht der Collège Vétérinaire. Die 112 ist die allgemeine Notrufnummer; sie ist der Weg, wenn zugleich Menschen in Gefahr sind. Für das Tier selbst bleibt der tierärztliche Bereitschaftsdienst die zuständige Adresse.

Wie ernst ein Fall ist, hängt vom Produkt und der Menge ab, aber auch von Gewicht und Alter des Tieres. Das lässt sich am Küchentisch nicht beurteilen. Es ist deshalb kein Fehler, wegen einer Sache anzurufen, die sich hinterher als harmlos herausstellt; Ihre Praxis kann die Lage am Telefon in wenigen Minuten einschätzen.

Schokolade, Tabletten und alles, was „zuckerfrei“ heißt

Die meisten Fälle beginnen nicht im Chemikalienschrank, sondern in der Küche. Schokolade ist der Klassiker: Hunde bauen einen ihrer Bestandteile schlecht ab, und dunkle Schokolade und Kakaopulver sind deutlich konzentrierter als Vollmilch. Ein erreichbarer Adventskalender oder ein Kuchen, der auf dem Tisch auskühlt, genügt. Weniger bekannt ist Xylit, ein Süßungsmittel in zuckerfreiem Kaugummi, Pfefferminzbonbons, mancher Erdnussbutter und in Backwaren; für Hunde können schon sehr kleine Mengen zählen. Lesen Sie deshalb bei allem mit der Aufschrift „zuckerfrei“ die Zutatenliste. Bei Weintrauben, Rosinen und Sultaninen kann niemand die Reaktion vorhersagen, eine als sicher geltende Menge gibt es nicht, und sie verstecken sich in Müsli, Stollen und Gebäck. Dazu kommen Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch, ob roh, getrocknet oder mitgekocht in Resten und Brühe, außerdem Alkohol, Kaffeesatz, Energydrinks und roher Hefeteig.

Fast ebenso häufig sind Humanmedikamente. Oft genügt eine heruntergefallene Tablette oder ein Blister in der Manteltasche: Hunde schlucken zuerst und prüfen später. Auch eine Handtasche auf dem Boden ist schneller durchwühlt, als man denkt. Katzen erwischt es eher über Substanzen, die auf menschliche Haut aufgetragen und später abgeleckt werden, und über Nikotinprodukte, vom Liquid bis zum Pflaster.

Vom Gartenschuppen bis zum Blumenstrauß

Frostschutz- und Kühlmittel schmecken süß; eine kleine Pfütze unter dem Auto genügt, für Hund wie Katze. Schneckenkorn, Rattengift, Unkrautvernichter und Abflussreiniger gehören hinter eine geschlossene Tür. Rattengift wird auch indirekt zum Thema, wenn eine Katze eine vergiftete Maus fängt, und im Winter reizt Streusalz Pfoten, die anschließend sauber geleckt werden.

Für Katzen verdienen Lilien einen eigenen Absatz. Alle Pflanzenteile, der Pollen und selbst das Vasenwasser können schwere Schäden verursachen; schon eine Katze, die an der Blüte vorbeistreift und den Pollen später aus dem Fell leckt, kann betroffen sein. In einem Haushalt mit Katzen ist es am einfachsten, Lilien gar nicht erst ins Haus zu holen und geschenkte Sträuße vorher durchzusehen. Daneben sind Eibe, Oleander, Dieffenbachie, Herbstzeitlose, Fingerhut, Azalee und Narzisse bekannt. Gärendes Fallobst und offener Kompost sind für Hunde ein Herbstklassiker.

Die ersten Minuten

Wenn es passiert ist, gilt eine einfache Reihenfolge: erst das Tier von der Quelle wegbringen und andere Tiere im Haushalt sichern, dann ans Telefon.

  • Rufen Sie an, bevor Sie losfahren. Sagen Sie, was es war, ungefähr wie viel, wie lange es her ist und wie schwer Ihr Tier etwa ist, und fragen Sie, wohin Sie kommen sollen.
  • Nehmen Sie Verpackung, Etikett oder Pflanzenteil mit oder fotografieren Sie sie. Der genaue Produktname ist oft das Nützlichste, was Sie mitbringen können.
  • Erbricht das Tier von selbst, nehmen Sie eine Probe in einem verschlossenen Behälter mit.
  • Klebt etwas an Fell oder Pfoten, halten Sie das Tier vom Lecken ab und fragen Sie am Telefon, wie Sie es entfernen sollen, statt selbst eine Methode zu wählen.
  • Notieren Sie die Uhrzeit und nehmen Sie den EU-Heimtierausweis mit, in dem Chipnummer und Tollwutimpfung stehen. Eine zweite Person, die das Tier hält, hilft.

Genauso wichtig ist, was Sie lassen.

Lösen Sie kein Erbrechen auf eigene Faust aus, weder mit Salz noch mit einem Tipp aus einem Forum; manche Stoffe richten beim Hochkommen zusätzlichen Schaden an, und Salz ist selbst gefährlich. Geben Sie keine Milch, kein Futter und keine Humanmedikamente, auch keine Reste aus einer früheren Behandlung. Warten Sie nicht auf Symptome, und schieben Sie nichts auf den Morgen, nur weil es spät ist. Zwanzig Minuten Internetsuche ersetzen keinen einzigen Anruf. Und schimpfen Sie nicht: Sie brauchen ein Tier, das zu Ihnen kommt und Sie ins Maul schauen lässt.

Schrank zu, Nummer gespeichert

Vorbeugung ist unspektakulär. Medikamente in den geschlossenen Schrank statt auf den Nachttisch, Taschen nicht auf den Boden, Chemikalien dicht verschlossen, Verschüttetes sofort aufgewischt, ein Mülleimer mit Deckel. Speichern Sie die Nummer Ihrer Praxis im Telefon und notieren Sie sich, wo die Bereitschaftsliste zu finden ist, damit Sie um 23:00 Uhr nicht beides gleichzeitig suchen müssen.

Und weil Fahrten nach Deutschland, Belgien und Frankreich hier zum Alltag gehören: Nehmen Sie den Heimtierausweis mit, wenn Sie über die Grenze fahren. In einer fremden Praxis im Ausland verschafft er dem Team eine erste Übersicht, und Ferienhaus und fremder Garten sind für Ihr Tier ohnehin unbekanntes Gelände.

Häufige Fragen

Mein Hund hat etwas gefressen, wirkt aber völlig normal. Muss ich trotzdem anrufen?

Ja. Bei vielen Stoffen zeigen sich Anzeichen erst nach Stunden, während die nützliche Zeit ganz am Anfang liegt. Ein kurzes Telefonat klärt, ob Ihr Tier gesehen werden sollte.

Soll ich vor der Fahrt Erbrechen auslösen?

Nein. Manche Stoffe richten beim Hochkommen zusätzlichen Schaden an, und Hausmittel wie Salz sind selbst gefährlich. Ob und wie das sinnvoll ist, entscheidet die Praxis.

Meine Katze hat nur an einer Lilie geschnuppert. Reicht das schon?

Behandeln Sie jeden Kontakt mit einer Lilie als Anlass für einen Anruf. Auch Pollen im Fell und Vasenwasser kommen dafür in Frage, und die Praxis kann einschätzen, ob eine Vorstellung nötig ist.

Wen erreiche ich nachts oder am Wochenende?

Die diensthabenden Praxen leisten einen 24-Stunden-Dienst, der um 08:00 Uhr beginnt und um 08:00 Uhr am nächsten Morgen endet. Um den diensthabenden Tierarzt zu erreichen, können Sie die 112 anrufen oder Post Infotel unter 26 77 12 34; die Bereitschaftsliste veröffentlichen das Collège Vétérinaire und amvl.lu unter GARDES. Unsere eigene Notfallseite listet die diensthabenden Praxen mit ihren Rufnummern. Rufen Sie an, bevor Sie losfahren: der diensthabende Tierarzt ist womöglich nicht in der Praxis und muss selbst erst hinfahren.